Hochsensibilität und Trauma

Der Begriff Hochsensibilität geht zurück auf Elaine N. Aron, die 1997 erstmals auf die High-Sensitive-Persons (HSP) aufmerksam machte. Seither wird das Thema immer präsenter.

Hochsensible Menschen haben eine besondere Feinfühligkeit und Empfänglichkeit für Reize. Es gibt äußere Reize wie Bilder, Geräusche oder Gerüche aus unserer Umwelt oder innere Reize wie Erinnerungen, Gedanken, Vorstellungen und Emotionen. Wegen der erhöhten Durchlässigkeit und Reizübertragung im Gehirn müssen Hochsensible in der gleichen Zeit mehr Informationen verarbeiten als Menschen mit „normaler“ Reizverarbeitung. Dadurch werden Hochsensible mitunter überstimuliert, reagieren über oder suchen den Rückzug. Sie stehen immer unter Strom und wenn es nicht mehr geht, fallen sie in ein tiefes Loch.

Diese Symptome lassen aufhorchen, denn es handelt sich um klassische Merkmale aus der Traumatherapie als physiologische Folgeerscheinungen einer als lebensbedrohlich erlebten Situation:

Symptome der Übererregtheit (Hyperarousal): erhöhte Schreckreaktion (startle response), erhöhte Aufmerksamkeit (Hypervigilanz), Konzentrationsschwierigkeiten und

Symptome der Erstarrung (Freezing): Gefühle der Lähmung, der Hilflosigkeit, Ohnmachtsanfälle.

Nun mag man sich die Frage stellen, was zuerst da war, die Hochsensibilität oder das Trauma. Hierzu gibt es verschiedene Meinungen. Rund um Elaine N. Aron geht man vornehmlich davon aus, dass Hochsensibilität vererbt bzw. angeboren ist und dass hochsensible Menschen lediglich anfälliger für Traumatisierungen sind, als „normal“ veranlagte Menschen.

Gerade zum Thema Traumatisierung gibt es mehr und mehr neurowissenschaftliche Forschungen. Es ist bekannt, dass man ein Trauma auch schon pränatal (vorgeburtlich: unerwünschte Schwangerschaft, operative Eingriffe am Ungeborenen) und perinatal (während der Geburt: Geburtskomplikationen, nicht ausreichende emotionale Sicherheit der Mutter) bekommen kann. Die Zeit bis zum dritten Geburtstag ist vorsprachlich, und somit ist das in dieser Zeit Erlebte nicht in Worte zu fassen. Trotzdem hat man gelebt und erlebt – dies wird im Körper gespeichert. Mögliche Symptome aus dieser frühen Zeit sind später vorrangig diffus und körperlich, z.B. Migräne oder Rückenschmerzen.

Vor diesem Hintergrund sei allen hochsensiblen Menschen ans Herz gelegt, sich auch mit dem Thema Entwicklungstrauma auseinander zu setzen und sich ggf. therapeutische Unterstützung zu nehmen. Die inhaltliche Verbindung ist evident und vielleicht hilft dieser kurze Post dem Einen oder der Anderen auf der Suche nach dem Warum.