SchreiBaby – wie kann es dazu kommen?

Mütter oder Väter mit traumatischen oder Verlust-Erfahrungen sind emotional oft wenig stabil, was sich schon auf das Ungeborene auswirken kann. Wenn die werdende Mutter z.B. starke Angst hat oder sehr nervös ist, spannt sich die Bauchdecke an. Da das Fruchtwasser nicht komprimierbar ist, entsteht Druck auf das Kind und es zieht sich zusammen. Eine mögliche Folge davon sind Entwicklungsverzögerungen.

Babys können sich zunächst nicht selbst regulieren, sondern tun dies durch Spiegelneuronen, d.h. sie lernen  anhand der klaren Reaktion oder des Gesichtsausdrucks der Bezugsperson, ob ein Geschehnis schlimm war oder nicht, ob sie zu weinen anfangen oder nicht, also wie sie damit umgehen. Traumatisierte Bezugspersonen verhalten sich oft so, dass sie widersprüchliche emotionale Signale aussenden, z.B. nehmen sie zwar ihr Kind auf den Arm, weisen es aber gleichzeitig verbal zurück.

Das Kind spiegelt diesen ambivalenten oder vermeidenden Zustand und bleibt damit in erhöhter Unruhe und vegetativer Erregung. Epigenetische Studien zeigen (z.B. Kaskadentheorie von Teicher, 2000), dass frühe massive Stresserfahrungen das Stress-Reaktionssystem im Gehirn von Grund auf verändern. So werden der präfrontale Cortex, der Balken und v.a. die linke Großhirnhälfte im Aufbau geschädigt und die Amygdala im Limbischen System bleibt andauernd alarmiert (Hyperarousal / Hochsensibilität). Störungen im Essverhalten, in der Regulation oder auch im Schlafverhalten können dadurch ausgelöst werden und die ganze weitere Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen.

Das Kind ist also abhängig von seiner Bezugsperson und kann nicht bestimmen, ob und wie es von einem unangenehmen in einen angenehmen Zustand kommt. Schreien ist dabei oft ein verzweifelter Versuch des Babys, die unregulierbare Spannung nach außen zu signalisieren und abzuführen. Das Schreien wiederum kann Traumaerinnerungen in den Eltern wachrufen und sie reagieren darauf desorientiert, verwirrt oder geängstigt. Sie halten das Kind auf Abstand, vermeiden Blickkontakt, begrüßen es nicht nach Trennung, sind in sich versunken und für die Signale des Kindes nicht erreichbar. Das Kind erhält dadurch nicht ausreichend oder gar keinen Schutz von seinen Bindungspersonen. Seelischer Schmerz wird wie körperlicher Schmerz verarbeitet. Die Kinder können als Reaktion auf solche Zustände körperliche Schmerzen bekommen, aber auch Gefühle von Panik, Wut, Ekel, Scham, Ohnmacht, Hilflosigkeit oder Hass.

Den Bindungsstil, den wir im Verhältnis zu unseren Eltern entwickelt haben, behalten wir  während unseres weiteren Lebens bei. Es ist aber möglich, eine sichere Bindung nachzulernen, entweder im therapeutischen Kontext oder auch in tragfähigen Partnerschaften und Freundschaften.

Arbeitsphilosophie der Krisenbegleitung

Die Kinder sollten vor der Beratung medizinisch untersucht worden und damit eine physiologisches Problem ausgeschlossen sein.

Die Grundannahme der Krisenbegleitung ist, dass alle Eltern ihre Kinder lieben, die Liebe jedoch blockiert ist. Durch die Krisenbegleitung soll diese Liebe wieder zum Fließen kommen. Das Menschenbild ist ressourcenorientiert, kompetenzstärkend und nicht pathologisch.

Das familiäre Bindungssystem fängt gerade erst an, sich zu entwickeln. Die Krisensituation ist akut und noch nicht chronifiziert. Die Stress- und Bindungsmuster können sich somit wieder verändern.

Die Arbeit konzentriert sich vor allem auf Emotionen und das Körpererleben. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit dem vegetativen Nervensystem, speziell dem Parasympathikus, der für die Entspannung zuständig ist.
Durch Vermittlung von Fachwissen können in Konfliktsituation die eigenen Reaktionen sowie Emotionen in der gesamten Familie besser verstanden werden.